{"id":1163,"date":"2024-02-04T20:01:44","date_gmt":"2024-02-04T19:01:44","guid":{"rendered":"https:\/\/gradin-nord.ch\/?p=1163"},"modified":"2024-02-04T20:24:31","modified_gmt":"2024-02-04T19:24:31","slug":"perception-decalee-virages-deplces","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gradin-nord.ch\/de\/perception-decalee-virages-deplces\/","title":{"rendered":"Verschobene Wahrnehmung - verschobene Kurven"},"content":{"rendered":"<p>Beh\u00f6rdliche Kollektivstrafen sind im Schweizer Fussball gerade allgegenw\u00e4rtig. In der aktuellen Runde trifft es die Fans des FC St. Gallen, denen der Zutritt\nzum G\u00e4stesektor in Luzern durch die KKJPD verboten wird. Alleine in den vorangegangenen vier Runden traf es bereits vier Spiele \u2013 tausende Fans sollten\naus den Stadien ausgesperrt werden. Die Kadenz der Kollektivstrafen nimmt zu und die Beh\u00f6rden handeln zunehmend willk\u00fcrlich. Alle grossen Schweizer\nFanszenen verlassen darum an diesem Wochenende ihre Kurven und G\u00e4stesektoren und verfolgen die Spiele in einem anderen Sektor im Stadion.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fans in der Schweiz sind wild, laut und vor allem zahlreich. Die Super League verzeichnete in den letzten Jahren einen grossen Zuwachs an\nZuschauer:innen. Saison f\u00fcr Saison werden neue Zuschauer:innenrekorde aufgestellt. Die Fans sind ein wichtiges Element des Erfolgsmodells und der\nAttraktivit\u00e4t des Schweizer Fussballs. Viele Vereine sind auf die Stadioneinnahmen angewiesen, bei noch mehr Vereinen sind die Fankurven ein\nwesentlicher Teil des Stadionbesuchs \u2013 mag der Fussballsport in der Schweiz nicht immer mitreissend sein, seine Fans sind es oft genug. Sie sind gut\norganisiert und aktiv, wie k\u00fcrzlich als sie dazu beitrugen, die Einf\u00fchrung der Playoffs im Schweizer Spitzenfussball zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht alle Facetten der Fankultur werden von allen gleichermassen positiv beurteilt. W\u00e4hrend Fahnenmeere, Choreografien, Ges\u00e4nge und Feuerwerk im\nStadion auf viel Wohlwollen treffen, kann dasselbe von der Gewalt, die die Fankultur mitunter begleitet, kaum behauptet werden. Die Debatte dar\u00fcber ist\nkeineswegs eine neue Debatte, wie auch das Ph\u00e4nomen an sich nicht neu ist. Der 13. Mai 2006, als der FC Z\u00fcrich vor mehr als 15 Jahren in Basel in letzter\nMinute den Meistertitel gewann und es daraufhin auf dem Spielfeld zu Auseinandersetzungen zwischen Fans und Spielern kam, ist daf\u00fcr beispielhaft. Er\nwurde zu einem wesentlichen Eck- und Wendepunkt f\u00fcr den hiesigen Umgang mit der Fankultur.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach diesen Ereignissen folgte eine Reaktion der Vereine, Liga und Beh\u00f6rden, die seither im Wesentlichen auf zwei Elemente setzte \u2013 Repression seitens\nder Sicherheitsbeh\u00f6rden, Dialog seitens der Vereine und Liga. Zugleich intensivierte sich die Reflektion unter den organisierten Fanszenen, eine\nSelbstregulierung setzte ein, die mit dazu beitrug, dass sich die Situation im und um das Stadion weitestgehend beruhigte. Ausnahmen dazu gab und gibt\nes. Aber sie sind nicht die Regel, sondern die Ausnahme. W\u00e4hrend jedoch die Selbstregulierung der Kurven im Stillen wirkt, sich in ausbleibenden\nEreignissen niederschl\u00e4gt und folglich keine Bilder und Videos produziert, werden umgekehrt die Bilder der Ausnahmen dramatisiert und aufgebauscht \u2013\nSchuld sind stets die Fans, Gegendarstellungen wie etwa durch die Fanarbeit (wie beim Spiel GC \u2013 BSC Young Boys) werden medial kaum je gleichermassen\nernsthaft aufgenommen und wiedergegeben wie die Behauptungen der Sicherheitsbeh\u00f6rden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektor:innen (kurz: KKJPD) hat nun seit Beginn dieser Saison die Repressionsschraube gegen Fussballfans\nmassiv angezogen. Die Vereine und Liga werden zu Statist:innen degradiert, w\u00e4hrend Hardliner:innen aus den einen Kantonen den Vereinen in den\nanderen Kantonen die Schliessung ihrer Stadionsektoren verf\u00fcgen. Es ist eine Eskalation ohne jede Not. Selbst die Forscher:innen, die sich mit Gewalt im\nSport besch\u00e4ftigen und die Massnahmen der KKJPD evaluieren, bescheinigen dem Schweizer Fussball ein ausserordentlich tiefes Niveau der gewaltt\u00e4tigen\nEreignisse, wenn man sie in ein Verh\u00e4ltnis zu vergangenen Saisons setzt. Und dies wohlgemerkt in einer Zeit, in der stets mehr Fans in die Stadien str\u00f6men.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Eskalation der KKJPD f\u00fchrt in die Sackgasse. Die gemeinsamen Aktionen der Fans an den vergangenen Spieltagen zeigen auf, wie leicht die\nMassnahmen der KKJPD umgangen werden und ins Leere laufen. Ihre Massnahmen sorgen einzig f\u00fcr mehr Unruhe und Kosten. Immer mehr Repression\nwird es nicht richten, der Griff zu den immer selben Rezepten aus dem Repressionsarsenal, die in den vergangenen Jahren immer wieder ihre\nUnwirksamkeit bewiesen haben, wird die Lage nicht bessern. Wer sich ernsthaft mit der Fankultur auseinandersetzen will, muss weg von Nulltoleranz,\nBefehl und kollektiver Erpressung via kollektiver Strafe und zur\u00fcck zu Augenmass, Pragmatismus und Dialog \u2013 wie es im \u00dcbrigen seit vielen Jahren\nerfolgreich zwischen Fans und Vereinen praktiziert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kollektivstrafen betreffen alle Fans im Stadion. Macht die KKJPD so weiter wie nach dem Spiel zwischen dem FCZ und dem FC Basel vor drei Wochen,\nals nach Ereignissen weit ausserhalb des Stadions und weit nach Spielende kurzerhand die Z\u00fcrcher S\u00fcdkurve gesperrt wurde, kann es gut und gerne aus\nnichtigen Gr\u00fcnden alle Sektoren aller Stadien aller Vereine treffen. Die Kollektivstrafe zielt auf alle, um einzelne zu treffen, was umgekehrt heisst, dass sich\ndas Verhalten einiger weniger f\u00fcr alle einschneidend auswirken kann. Es ist eine beh\u00f6rdliche Erpressung und eine schlechte noch dazu \u2013 als k\u00f6nnte\n\u00fcberhaupt irgendwer oder irgendwas eine absolute Garantie f\u00fcr das totale Ausbleiben aller missliebiger Ereignisse ausstellen, ob im Sport oder sonstwo in\nunserer Gesellschaft. Die Vision einer totalen Nullrisikogesellschaft hat nichts mit der Realit\u00e4t zu tun, \u00f6ffnet aber T\u00fcr und Tor der beh\u00f6rdlichen Willk\u00fcr.\nWeil das unrealistische Versprechen nicht gehalten werden kann, braucht es stets mehr beh\u00f6rdliche Massnahmen, die stets nie gen\u00fcgend erreichen, weil\neben doch immer irgendwo irgendwas geschieht, weshalb es dann eben wiederum stets mehr beh\u00f6rdliche Massnahmen braucht. Es ist eine sich selbst\nerf\u00fcllende Prophezeiung der Sicherheitsbeh\u00f6rden.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der KKJPD herrscht eine verschobene Wahrnehmung bez\u00fcglich der gegenw\u00e4rtigen Lage im Schweizer Fussball. Erst recht ist ihre Wahrnehmung\nbez\u00fcglich der Wirksamkeit ihrer Massnahmen verschoben. Auch wir Fanszenen k\u00f6nnen uns verschieben \u2013 und verfolgen an diesem Wochenende, wenn in\nLuzern der G\u00e4stesektor geschlossen bleibt, schweizweit die Spiele dieser Runde ausserhalb der ansonsten \u00fcblichen Kurven und G\u00e4stesektoren. Wenn man\ndie Fankurven aus den Stadien treiben will, tragen wir die Kurven in weitere Teile des Stadions. Wir wollen mit dieser Aktion anregen, was die\nKollektivstrafen der KKJPD f\u00fcr den Schweizer Fussball und seine Fans bedeuten. Wir wollen uns als Fans austauschen, mit allen im Stadion, von den Logen\nzu den Trib\u00fcnen, von den Alteingesessenen zu den Familien, von jenen, die ihre H\u00e4nde verwerfen, wenn die Kurve wieder z\u00fcndet, bis zu jenen, die fr\u00fcher\nselbst in den Kurven standen. Und wir wollen unmissverst\u00e4ndlich klarmachen: Uns Fans wird man aus den Stadien nicht vertreiben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>AUF KOLLEKTIVSTRAFEN FOLGEN KOLLEKTIVE ANTWORTEN!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Szene Aarau, Canton Baden, Muttenzerkurve Basel, Ostkurve Bern, KOP SUD LAUSANNE, Curva Nord Lugano, USL (Luzern), Tribune Neuch&rsquo;, Gradin Nord (Sion), Espenblock St. Gallen, Block S\u00fcd (Thun), Bierkurve Winterthur, Z\u00fcrcher S\u00fcdkurve, Sektor IV GC Z\u00fcri<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Les sanctions collectives des autorit\u00e9s sont actuellement omnipr\u00e9sentes dans le football suisse. Dans le tour actuel, ce sont les supporters du FC St-Gall qui ont \u00e9t\u00e9 interdits d&rsquo;acc\u00e8s au secteur &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/gradin-nord.ch\/de\/perception-decalee-virages-deplces\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u00ab\u00a0Perception d\u00e9cal\u00e9e &#8211; Virages d\u00e9plac\u00e9s\u00a0\u00bb<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>","protected":false},"author":6,"featured_media":322,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_mi_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1163","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-non-classe"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gradin-nord.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1163","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gradin-nord.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gradin-nord.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gradin-nord.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gradin-nord.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1163"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/gradin-nord.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1163\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gradin-nord.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/322"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gradin-nord.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1163"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gradin-nord.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1163"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gradin-nord.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1163"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}